"KDD — Kriminaldauerdienst" (Trailer hier) hat den Deutschen Fernsehpreis 2007 als "Beste Serie" erhalten und neulich auch noch den Grimme-Preis 2008. Und weil ich den Preis für 540 Minuten Serie auf DVD durchaus fair fand, habe ich mal den ganzen positiven Stimmen vertraut und blind zugegriffen.
Ömpf. Ich habe zwar erst den Pilotfilm und die ersten beiden Folgen (also knapp 180 Minuten) davon gesehen, aber ich muss da jetzt was zu schreiben, weil die Folge "Battlestar Galactica", die ich gestern zu 99% geguckt habe, mir nochmal überdeutlich unter die Nase rieb, wie großartig und bewegend man Geschichten über Ganz Üble Dinge™ eben auch erzählen kann. Es ist halt etwas eigenartig, wenn ich mit einer mit, äh, extrem rüden Methoden verhörten künstlichen Roboterfrau — oder einem "Freudenmädchen" im South Dakota des ausgehenden 19. Jahrhunderts, um mal ein anderes Beispiel zu nehmen — mehr empfinde als für Kreuzberger Polizisten von heute. Aber das liegt nicht daran, dass ich Science-Fiction so gern mag (auch wenn ich das tue) oder, dass ich so auf Western stehe (was nicht wirklich der Fall ist), sondern dass es eben nachvollziehbare Charaktere gibt und … na ja, die aus dem deutschen Fernsehen halt, ganz ausdrücklich einschließlich der KDD-Riege.
Damit das nicht falsch klingt, ich finde vieles an der Serie durchaus gut bis hin zu toll. Die Charaktere und ihre Konflikte im Grunde: der Chef mit, sagen wir mal, problematischen Töchtern, der quasi-zwangsverheiratete türkischstämmige Kollege, die Polizistin mit einer in ihrem Job etwas schwierigen sexuellen Orientierung … nichts neues, aber im Prinzip interessant und nachvollziehbar. Der Ex-Säufer mit dem Geldproblem und der Verlegersohn, der eigentlich gar nicht arbeiten müsste, sind dann schon hart an der Grenze zum "Gibt’s nur im Fernsehen dafür da aber irgendwie immer"-Klischee, aber das machen die beiden Schauspieler (Manfred Zapatka und Barnaby Metschurat) leicht wieder wett.
Auch die "NYPD Blue"sche (heute muss man wohl sagen: Jason-Bournesche oder eben "Battlestar Galactica"sche) Kameraführung ist wackelig genug, um unterschwellig das Dokumentar-Feeling aufkommen zu lassen, ohne dabei Übelkeit zu erzeugen.
An den Stories gibt’s eigentlich auch nichts zu meckern: Folgen- (vermutlich die ganze Season) überspannende Themen und Fälle (mit Jürgen Vogel als Bad Guy), in einer Folge erledigte Dinge und kurze Mini-Fälle, die nur ein, zwei Szenen benötigen, sind fröhlich zusammengemischt.
Aber leider ist das alles größtenteils äußerst platt gespielt, mit Dialogen zum Fußnägelaufrollen ("Was will Falkenstein mit meiner Zeugin? Warum entzieht er sie?"), und die Personen wirken nicht wie Menschen, die unterschiedliche Ansichten oder Ziele haben, sondern wie Leute, die einfach scheiße zueinander sind. Bis zu einem gewissen Grad erzeugt sowas Realismus, danach ist es einfach nur anstrengend und wirkt wie ein krampfhafter Versuch, möglichst "edgy", möglichst "schwierig" sein zu wollen.
Ich habe schon ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, die DVDs einfach in den Schrank zu stellen, ohne sie zu Ende zu gucken und sie dort verstauben zu lassen, aber ich glaube, ich gebe ihnen nach einer kleinen, durch anderweitige Prioritäten bedingte Zwangspause noch eine Chance.
Völlig am Rande: Aber hey, cool, beim Gucken nach den amazon-Bewertungen habe ich gesehen, dass es "Alles außer Mord" auf DVD gibt. Ist bestimmt zehn Jahre her, dass ich das zuletzt gesehen habe und somit natürlich potentiell arg nostalgiegetrübt — und außerdem natürlich ungefähr siebzig Mal unrealistischer –, aber das ist mal eine gute deutsche Krimireihe gewesen.