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Archiv für den 23. April 2008

Raubkopierer sind keine Verbrecher

… denn Raubkopieren ist kein sondern ein , wie sich aus StGB und Urheberrecht ergibt. So weit, so six months ago*. Um diese Spitzfindigkeit soll es aber gar nicht gehen.

Sondern: Ich bin vorhin endlich mal über etwas halbwegs ernstzunehmendes zum Thema "Der Filmindustrie gehen durch Raubkopien x Mio. Dollar pro Jahr verloren" gestolpert.** Gemäß einer Studie der Bauhaus-Universität Weimar sind es rund 193 Mio. Euro in Deutschland. Das ist viel Holz***, ja, aber eben nicht die üblicherweise eingesetzte Fantastilliarde. Die Studie behauptet, soweit ich das überblicke, nirgendwo von sich, repräsentativ zu sein, und lässt m.E. wichtige Zusammenhänge außer acht****, aber immerhin ist die Aussage, dass die Zahl der Kinobesuche sowie geliehener und gekaufter DVDs zwischen 10 und 15 % höher läge, mal eine Hausnummer, die ich interessant und glaubhaft finde. Laut der Studie selbst liegt sie knapp bei der Hälfte der von der Filmindustrie genannten Zahl.

(Die Webdarstellung der zugehörigen Pressemeldung — das muss ich mal sagen, ohne jetzt die betreffende Hochschule verunglimpfen zu wollen — ist aber schon irgendwie traurig***** für eine Uni, die auch einen Studiengang "Mediengestaltung" anbietet, bei dem ich im Jahre des Herrn 2008 mal davon ausgehen darf, dass auch die publizistische Schiene "online"****** berücksichtigt wird.)

[via] [via]
[wird mir keiner glauben, aber dass ich auf eine Studie von ausgerechnet Prof. Dr. Hennig-Thurau gestoßen bin, ist wirklich Zufall; if you believe in such things]

 

  1. * Es gibt eine ganze Website, die sich diesem Thema widmet. ^
  2. ** x ist hierbei in aller Regel ∈ H, der Menge der horrenden Zahlen. ^
  3. *** Da muss eine alte Frau lange für stricken. ^
  4. **** Leute, die sich Filme als illegale Kopie ansehen, welche sie sonst nicht die Bohne interessiert hätten, oder den zeitlichen Vorsprung, den die heruntergeladene Kopie des aktuellen Kinofilms gegenüber der Leihmöglichkeit auf DVD hat, fallen mir spontan ein. Auch der Rückgang von DVD-Verkäufen ist schwierig direkt mit Downloads in Verbindung zu bringen, da durch die DVD das Kaufen von Filmen überhaupt erst "Mainstream" wurde (wer hatte schon mehr als ein oder zwei VHS-Kaufvideos zu Hause, wenn überhaupt) und die Internet-Geschwindigkeit zu Hause, die das Downloaden von Filmen in endlicher Zeit ermöglichte, dem nur wenig hinterherhinkte. Insofern dürfte das Nachlassen des "Reizes des Neuen" (vor allem der Ende der Neunziger plötzlich umwerfenden Bildqualität) die Messung etwas versauen. ^
  5. ***** Das Konzept der HTML-Liste scheint nicht geläufig zu sein, ebensowenig kam man dort auf die Idee, die Studie zu verlinken, obwohl sie sich mit Google leicht auf dem Server der Uni finden lässt [pdf, 232 kB]^
  6. ****** Um mal ein Wort aus dem Internet zu gebrauchen. ^